Das weinende Flammenmädchen *Ein Auszug eines Kapitels aus Hexenarche 2* ~~~ #Kinderbuch #Jugendbuch #lesen #Fantasy #Fantasie #Hexenarche #Buchserie #Hexen #Magie #Zauberei #Freundschaft #Liebe

Hallo, ihr Lieben,

heute haben wir uns wieder zum gemeinsamen Schreiben getroffen, um unser neues Buch „Hexenarche 2“ weiterzuschreiben. Torsten war ja drei Wochen im Urlaub. Und wir haben so ein schönes Kapitel geschrieben, das uns eine wohlige Gänsehaut bereitet hat, da es voller Romantik ist. Wir senden euch liebend gerne einen Teil zum Lesen. Natürlich wird auch dieser Text professionell lektoriert. Unsere E-Books werden wir niemals unlektoriert veröffentlichen.

Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Als die beiden Junghexen um die nächste Ecke bogen, waren sie sehr erleichtert, dass ihre Odyssee durch die Schulgänge endlich ein Ende fand.

Vor ihnen breitete sich ein kleiner Gang aus, der links und rechts jeweils von einer schwebenden Kerze erhellt wurde. Unter jeder von ihnen war auf dem Boden das heruntergetropfte Kerzenwachs zu einem aus Wachs gebildeten Stalagmiten emporgewachsen. Diese Art von magischen Kerzen waren bei Hexen generell sehr beliebt, da sie mit einem Zauber versehen waren, der sie niemals ausgehen ließ. Immer wenn das Wachs ganz geschmolzen war, wurde die Kerze wieder erneuert und der Kreislauf fing wieder von vorne an.

„Sarina, warte mal kurz! Hörst du auch das leise Wimmern?“ Tara näherte sich einer Flamme, die nervös hin- und herflackerte, aus der sie das Schluchzen registriert hatte. Sarina ging ihr schweigend hinterher. Sie blieben vor der Kerze stehen und mussten zweimal hinsehen, als sie einer klitzekleinen Mädchengestalt im roten Flammengewand gewahr wurden. So ein zartes wunderschönes Wesen hatten sie noch nie gesehen. Diese hatte ihren stecknadelgroßen Kopf in ihre Hände vergraben und weinte herzzerreißend. Ihre in verschiedenen Rottönen gehaltenen Haare standen brennend in alle Richtungen ab. Taras Mutter war zwar auch im Besitz von magischen Kerzen, doch ihr war nie im Traum eingefallen, einmal näher hinzublicken. Zudem hatte ihre Mutter ihr nie etwas über diese Wesen erzählt.

„Wieso bist du so traurig?“, fragte Tara in gefühlvollem Ton.

Das Feuermädchen erschrak sich, als sie Taras Stimme gehört hatte. Sie blickte sie aus verweinten Augen ungläubig an. Ihre vergossenen Tränen waren es, die die Flamme, in deren Mitte sie zusammengekauert hockte, zum Flackern gebracht hatte.

Die feurige Wesenheit wischte sich die Tränen weg und blickte abwechselnd beide Junghexen erstaunt an. „Ihr könnt mich sehen und hören?“, fragte sie zögerlich. „Wie ist das möglich?“

„Das frage ich mich auch“, sagte Sarina, da sie ebenfalls aufs Höchste erstaunt war. Genau wie Tara hatte sie auch keine Ahnung von dieser Wesenheit.

„Wieso bist du so erstaunt“, fragte Tara, „dass es uns möglich ist, dich zu sehen und zu hören? Können das andere Hexen nicht?“

Das Flammenmädchen schüttelte verneinend den Kopf. „Ihr seid die Einzigen, die mich jemals erblickt haben. Natürlich habe ich mal laut gerufen, doch sie konnten mich weder hören noch sehen.“

„Wieso hast du geweint?“, wollte Tara wissen.

„Ich bin verliebt in den Flammenjungen, der auf der Kerze gegenüber lebt. Seit geraumer Zeit sind unsere Herzen füreinander entflammt und wir schicken uns mithilfe von Funken Liebesbriefe. Die meisten konnten wir uns gegenseitig zustellen, andere verpufften leider, bevor sie ankamen. Und ich bin so traurig, weil es wahrscheinlich unser gemeinsames Schicksal ist, dass wir uns nie umarmen können.“

Taras und Sarinas Herz wurden bei der emotionalen Geschichte, die ihnen das kleine Flammenmädchen erzählte, von einer wohligen Wärme erfasst. Tara musste an sich halten, damit sie nicht selbst einige Tränen vergoss. Sie dachte, wie schlimm es wohl wäre, wenn sie Nuno nie sehen könnte. Dann fiel ihr die rettende Lösung ein. „Wir werden dir helfen!“, versprach sie.

„Und wie?“

„Kannst du auf ein Stück Wachs steigen und eigenständig brennen?“

„Das wird bestimmt möglich sein. Was hast du denn vor?“

Tara nahm auf ihre Zeigefingerkuppe ein Stück warmen Wachs von der Kerze, das sich augenblicklich verhärtete. Sie hielt ihren ausgestreckten Zeigefinger dem verliebten Feuermädchen hin. „Steig drauf!“ Sie verstand sofort, raffte ihren Flammenrock und stieg auf das Wachs auf Taras Fingerkuppe. Just in dem Moment, als das feurige Wesen die Heimstatt seiner magischen Kerze verließ, erlosch diese augenblicklich und das weiße Wachs verfärbte sich schwarz. Die schwebende Kerze verlor an Zauberkraft und fiel wie ein Stein zu Boden. Als sie auf den Stalagmiten aus Wachs auftraf, zerbrach ein Stück von diesem, bevor die Kerze daneben auf den Boden fiel. Tara ging vorsichtig, aber mit schnellen Schritten, zu der schwebenden Kerze gegenüber und hielt die Hand etwas aus der Sichtweite des Flammenjungen, der vor dem brennenden Docht hockte und seine feurigen Beine baumeln ließ. Auch er machte einen traurigen Eindruck.

„Sei nicht traurig!“

Der Flammenjunge blickte sie neugierig an, da er auch noch niemals von einer Hexe angesprochen worden war.

„Schau mal, wen ich hier habe!“ Tara hielt den Zeigefinger, auf dessen Ende das kleine Flammenmädchen knisterte und brannte, vor ihn. Sie konnten beide ihr Glück kaum fassen, als sie sich das erste Mal so nah sahen. Augenblicklich sprang das Flammenmädchen zu ihrem Schwarm und sie umarmten sich überschwänglich. Als sie sich küssten, loderte die Kerzenflamme doppelt so stark auf. Tara und Sarina konnten förmlich die von den Feuerwesen ausgehende Hitze auf ihren Gesichtern spüren.

„Ich weiß nicht, wie wir euch jemals danken können“, sagte schließlich das Flammenmädchen. „Damit habt ihr uns den größten Herzenswunsch erfüllt.“

„Danke, dass ihr sie zu mir gebracht habt. Meine Kerze wird von nun an unser beider Heimstatt sein und wir werden die schönste und glücklichste Kerzenflamme abgeben, die ihr jemals gesehen habt.“ Das Flammenmädchen flüsterte ihrem Geliebten etwas ins Ohr. Er nickte ihr zustimmend zu. Kurz darauf hielten sie sich kichernd an den Händen und schlossen die Augen. Ein helles Licht löste sich aus der Herzgegend des Jungen, ebenso wie aus der Herzgegend des Mädchens. Beide Lichter flogen aufeinander zu, um in harmonischer Vereinigung miteinander zu verschmelzen. Als dies geschehen war, öffneten sie wieder die Augen.

Das glückliche Flammenmädchen nahm das Leuchten an sich und legte es auf Taras Fingerkuppe. Nun erkannte Tara, dass es eine kleine gläserne Kugel war, in deren Mitte eine klitzekleine Flamme brannte.

„Nehmt als Dank diese kleine Flamme“, sagte der Flammenjunge, „die ein Produkt unserer Liebe ist. Falls ihr mal ein Licht im Dunkeln braucht, wird sie euch helfen.“

„Danke für das Geschenk“, sagte Tara. Sie überlegte kurz, wo sie die stecknadelgroße Kugel sicher aufheben konnte. Da fiel ihr die Idee ein, sie in den Tiefen einer ihrer Seitentaschen des Hexenkleides zu verstauen, was sie daraufhin auch vorsichtig tat.

„Möge die Göttin die Flamme eurer Liebe ewig brennen lassen“, sagte Sarina gefühlvoll. Und als sie das sagte, hielt sich das Flammenpärchen an den feurigen Armen und tanzte im Kreis vergnügt um den Docht herum.

Tara und Sarina waren von dem gefühlvollen Geschehen so mitgenommen, dass sie beinahe vergaßen, warum sie eigentlich hier waren. Als es ihnen einfiel, setzten sie ihren Weg zur Krankenstation von Frau Doktor Sauerkraut fort, während Tara Sarina mit Komplimenten überhäufte, dass sie so einen symbolträchtigen Satz zu dem verliebten Feuerpärchen gesagt hatte.

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