Textschnipsel zu „Hexenarche 3“

#Textschnipsel zu meinem Buch „Hexenarche 3“, das ich derzeit schreibe. Viel Spaß beim Lesen!  (Natürlich noch unlektoriert.)


Als sie an einem Pfeil vorbeiflogen, der in die entgegengesetzte Richtung zeigte, fragte Tara stirnrunzelnd: „Hä, wieso sollen wir jetzt in die Richtung zurück, aus der wir losgeflogen sind?“
„Vielleicht ist ein Besenunfall passiert und die Hexe, die gegen den Pfeil geflogen ist, hat ihn dadurch in Bewegung gesetzt“, meinte Sandra. „Oder es waren vielleicht Jugendliche, die sich einen blöden Scherz erlaubt haben. Alles ist möglich.“
„Fragen wir die Hexe da vorne“, schlug Tara vor. „Vielleicht kann sie uns sagen, ob wir richtig fliegen.“
Sofort gaben die Junghexen Gas und holten schließlich die Hexe in Nullkommanichts ein. Ihre kleine Tochter, die wie ihre Mutter feuerrotes Haar besaß, das zu zwei straffen Zöpfen geflochten war, saß rittlings hinter ihrer Mutter. Mit ihrer linken Hand fuchtelte sie mit einem großen Zauberstab herum, während auf dem Handteller der anderen Hand ein giftgrüner Frosch wie versteinert dahockte. Kichernd tippte sie leicht mit dem Zauberstab auf die verdutzt dreinblickende Unke und verwandelte sie im nächsten Moment in einen Hamster.
Tara konnte es nicht fassen, dass die Hexe ihrer Tochter bereitwillig ihren Zauberstab ausgehändigt hatte, nur um ihr offenbar eine Beschäftigung zu geben. Und das noch während eines Fluges! Sie fand ihr Handeln unverantwortlich, da mit Magie nicht zu spaßen war und Zauberutensilien auf keinen Fall in Kinderhände gelangen sollten.
Am liebsten hätte sie ihr gehörig die Meinung gesagt, doch da weit und breit keine andere Hexe in Sicht war, die sie nach dem Flugweg zur Höhle fragen konnte, machte sie böse Miene zum guten Spiel und begrüßte sie trotz allem Missmut erst mal mit der alteingesessenen Begrüßungsformel unter Hexen: „Merry meet!“ Schließlich fragte sie sie im gespielt höflichen Ton: „Entschuldigen Sie bitte! Wir wollten einen Ausflug zur Cova de Can Marçà unternehmen, aber wir sind uns nicht sicher, ob wir in die richtige Richtung fliegen. Können Sie uns vielleicht den Weg zur Höhle weisen?“
Die Hexe, deren feuerrote Haare im Flugwind wehten, sah Tara freundlich an. „Merry meet! Ihr seid schon richtig. Es ist nicht mehr weit. Wenn ich mich recht erinnere, müsste noch ein Hinweisschild auftauchen. Ihr fliegt einfach geradeaus weiter! Seid ihr das erste Mal auf Ibiza?“
„Ja, sind wir“, erwiderte Sandra.
„Ach, wie schön. Es ist einfach ein Traum. Ihr werdet euch in die Insel verlieben. Wir sind übrigens auf dem Flugweg nach Cala Benirrás, ein Strand an der Nordküste, um uns zu erholen. Später wollen wir den legendären Sonnenuntergang genießen, der von zahlreichen Trommlern begleitet wird. Dieses Spektakel findet jeden Sonntag statt und ist wirklich einen Besuch wert. Ich weiß nicht, wie lange ihr Urlaub macht, aber das dürft ihr auf keinen Fall verpassen!“
„Das hört sich echt klasse an“, sagte Sarina glücklich.
„Find’ ich auch“, schwärmte Sandra.
Da die Tiere immer größer wurden, die das rothaarige Mädchen munter herbeizauberte, nun hielt sie einen Hasen in der Hand, schrillten bei Tara alle Alarmglocken und sie beschloss, mit der Frau Tacheles zu reden.
„Es tut mir leid, wenn ich jetzt direkt bin“, sagte Tara in einem verärgerten Ton, „aber wenn ich Sie wäre, würde ich den Zauberstab lieber in den Rucksack zurückstecken, bevor Ihre Tochter noch auf die Idee kommt, einen Elefanten herbeizuzaubern.“
„Meine Tochter?! Zauberstab?!“, fragte die Frau erschrocken, sie blinzelte verwirrt.
„Ein Elefant?“, kicherte das Mädchen und offenbarte eine Zahnlücke. „Tolle Idee!“
Die Hexe legte eine Vollbremsung hin, drehte sich blitzschnell um und riss ihrer Tochter den Zauberstab aus der Hand, sprichwörtlich in letzter Sekunde, bevor das Mädchen den Hasen in einen Elefanten verwandeln konnte. Tara und ihre Freundinnen sind ebenfalls geistesgegenwärtig im Flug stehen geblieben.
„Was soll das, Emilia? Magie ist kein Spielzeug!“, rügte die Hexe sie, woraufhin ihre Tochter einen Schmollmund machte. Plötzlich ließ die Hexe einen spitzen Schrei los. „Wo ist Henry?!“
„Keine Sorge, er ist nicht vom Besen gefallen. Mein Bruder ist jetzt ein Hase. Ich wollte schon immer ein Haustier haben, aber ich durfte ja nie.“
„Du-Du-Du“, stammelte sie sauer, ihre Augen wurden größer, „hast deinen Bruder in ein Tier verwandelt?! Wie würdest du es finden, wenn ich dich in ein Tier verwandeln würde?“
„Das darfst du gar nicht laut dem Hexenrat. Eltern dürfen ihre Kinder nicht in Tiere verwandeln.“
„Bitte entschuldigt mich“, sagte die rothaarige Frau zu Tara und ihren Freundinnen gewandt, „aber ich muss erst mal eine Besentankstelle ansteuern und meinen Sohn wieder in einen Menschen zurückverwandeln und ihn eventuell entlausen. Den Rückkehrzauber möchte ich ungern in der Luft machen.“ Bevor sie losflog, sagte sie noch zu den Mädchen: „Passt auf euch auf. Und viel Spaß noch auf Ibiza!“
„Oh Mann“, sagte Tara, „das war echt knapp. Ein Elefant auf einem Besen, das wäre wohl das Top-Thema im ,HEKA‘.“
„Die Star-Reporterin Saxana La Croix wäre bestimmt die Erste, die darüber berichtet hätte“, kicherte Sandra.

(©Rigon Grimoire)

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